Zehn Millionen Zuschauer pro Woche

Rottweiler aus Ergolding hat 630.000 Follower auf TikTok

15.09.2021 | Stand 15.09.2021, 10:55 Uhr

Zehn Millionen Menschen verfolgen pro Woche die Beiträge von Shpetim Shala über seinen Rottweiler Canelo auf den Internet-Plattformen TikTok und Instagram. −Fotos: Corinna Mühlehner

Von Corinna Mühlehner

Erst hatte Shpetim Shala aus Ergolding (Landkreis Landshut) Ekel vor Hunden, dann legte er sich einen Rottweiler zu – und wurde mit Canelo zum gefeierten Internet-Star.

Ein tiefes, dumpfes Bellen ist hinter dem verkleideten Zaun zu hören. Auf einem Schild wird gewarnt: „Vorsicht, Rottweiler“. Canelo ist bundesweit bekannt. Aber nicht, weil er sich etwas hat zu Schulden kommen lassen. Ganz im Gegenteil: Im Internet ist der Rottweiler Canelo ein innig geliebter Star. 630.000 Abonnenten auf der Plattform TikTok und 54.000 auf Instagram verfolgen täglich die Updates von Besitzer Shpetim Shala über das Leben des schwarz-braunen Muskelpakets. Das Wochenblatt hat die zwei Internet-Stars besucht.

Neuer Hund: „Die ersten zwei Tage habe ich es voll bereut“

„Meine Videos sind immer viral“, sagt Shpetim Shala. „Das passiert nie, dass unter 30.000 Leute meine Stories anschauen.“ Canelo, wie er einem anderen Hund auf Befehl das Futter klaut, Canelo, wie er müde in die Kamera blinzelt, Canelo beim Joggen neben dem Fahrrad – über die Inhalte entscheidet der 20-jährige Shpetim meist spontan. Am Ende dreht sich aber alles um Canelo – und die Leute lieben es.

„Ich würd für Canelo in den Tod gehen und er für mich“, ist Shpetim Shala überzeugt. Eine innige Beziehung, die sich erst entwickeln musste. „Ich hatte früher richtig Ekel vor Hunden“, verrät der Ergoldinger. Am Ende war es der Lockdown, der ihn umgestimmt hat: „Mit einem Hund ist man wenigstens zum Gassigehen rausgekommen.“ Fündig wurde Shpetim bei einem Züchter in Bulgarien. Den Gencode fürs Berühmtwerden hat Canelo wohl von seinem Vater, der ist 17-maliger Weltmeister im Hundeschwimmen. Doch kaum, dass der Welpe bei Shpetim eingezogen war, wäre er fast wieder zurückgewandert: „Die ersten zwei Tage habe ich es voll bereut“, verrät Shpetim. Neben seiner Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann hilft er auch in der Shisha-Bar seines Bruders mit – da war nach dem Lockdown kaum Zeit für einen Hund da.

Bruder überredet ihn zu TikTok

„Dann hat Canelo seinen Kopf auf meinen Bauch gelegt und angefangen zu weinen“, erinnert sich Shpetim. Da war es doch um ihn geschehen. Und bald schon auch um Hunderttausend andere: „Mein Bruder hat mich überredet, ein Video auf TikTok zu posten“, erzählt der 20-Jährige, der eigentlich nicht begeistert davon war. „Ich dachte, das machen nur Kinder.“ Er gab dem Ganzen aber doch eine Chance, teilte ein Video von dem Welpen, der schon nach drei Tagen gelernt hatte, erst auf Kommando zu fressen. Nach nur zehn Minuten hatte das Video bereits 100.000 Aufrufe. Um die zehn Millionen Zuschauer haben Shpetim Shala und Canelo seitdem pro Woche. In einer „Hype-Phase“ habe er über Nacht einmal 40.000 Abonnenten gewonnen.

„Das siehst du dann am nächsten Morgen und denkst dir: ,Krass!‘“, erinnert sich Shpetim und grinst. Er sitzt mit seinem Besuch am Tisch im Wohnzimmer, Canelo muss im Gang warten. Immer wieder versucht der Rüde, ins Wohnzimmer zu kommen. Shpetim bleibt konsequent. „Zurück!“, sagt er. Canelo sieht ihn treuherzig an, rührt sich nicht. Erst beim zweiten Kommando hebt er das rechte Hinterbein und setzt es nach hinten auf den Boden des Flurs. Der Rest von ihm bleibt im Wohnzimmer. Passt doch, soll das wohl heißen.

„Ein Rottweiler ist eine laufende Waffe“

Für Shpetim nicht. Canelo muss trotzdem raus. Eine Minute später erscheint der Kopf des bulligen Rottweilers wieder im Türrahmen – diesmal mit gelbem Tennisball im Maul. „Canelo muss immer die Nummer eins sein“, weiß Shpetim. „Er braucht viel Liebe.“ Am Ende darf dann Canelo doch rein.

Dass Shpetim die Hunderziehung aber sehr wichtig ist, merkt man daran, wie gut Canelo auf Kommandos hört. „Ein Rottweiler ist eine laufende Waffe“, ist Shpetim Shala bewusst. Er könne die Angst vor der Rasse verstehen. „Aber ich will zeigen, dass der Rottweiler nicht ist, wie er in den Medien dargestellt wird.“ Auch Canelo hat „Kampfgewicht“, an die 50 Kilo bringt der Rüde auf die Waage. Und: Er wächst noch. 15 bis 20 Kilo wird er in den nächsten zwei Jahren noch zulegen.

In seinen Internetauftritt investiert Shpetim am Tag nur rund 20 Minuten, auch das Bearbeiten der Videos dauert nicht lange. Seit kurzem arbeitet der 20-Jährige auch mit einem Manager zusammen, der für ihn Werbekampagnen organisiert. Denn damit verdient Shpetim natürlich auch Geld. „Da kommen jeden Tag zwei bis drei Anfragen rein. Aber ich will nicht nur Werbung machen, das bin nicht ich“, betont er.

Die Leute erkennen ihn auf der Straße

Mittlerweile erkennen ihn die Leute auf der Straße, sagt Shpetim. „Canelo kennt jeder. Ich war auf Tour in Deutschland unterwegs, da haben mich ständig Leute angesprochen.“ Die Beliebtheit Canelos ermöglicht dem Ergoldinger viele neue Erfahrung. Vor kurzem hatte der Rottweiler zum Beispiel ein Fotoshooting für Hundespielzeug. „Er gibt mir viel zurück“, zeigt sich Shpetim Shala dankbar. Auf die Frage, was Canelo ihm bedeute, kommt die Antwort ohne Zögern: „Mein Leben.“