Coronakrise: Wie die Pandemie die Wirtschaft verändert

01.03.2021 | Stand 18.03.2021, 20:19 Uhr

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Die Coronakrise belastet fast ein Jahr später noch immer den Alltag. Für die Weltwirtschaft ist das Virus ein Jahrhundertschock. Die baldige Rückkehr zum Vorkrisenniveau scheint ausgeschlossen.

Im Euroraum schrumpfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2020 laut europäischem Statistikamt um 3,8 Prozent. Im zweiten Quartal kam es allein in Deutschland zu einem fast zehnprozentigen Minus, dem bedeutendsten der Nachkriegsgeschichte. Neues Wachstum begann erst im dritten Quartal. Verglichen mit dem vorherigen legte die EU während dieser Zeit um 11,6 Prozent zu. Doch von Dauer war die Erholung nicht. In Deutschland wirken sich wiedereingeführte Maßnahmen seit Ende letzten Jahres negativ auf die Konjunkturentwicklung aus. Die globalisierte Wirtschaft erlebt ihre erste ökonomische Krise ohne ökonomischen Grund.



Survival of the Fittest: Nur der Stärkste überlebt

Das Rückgrat der Wirtschaft hat die Coronakrise am schwersten getroffen: den Mittelstand. Lieferprobleme, verordnete Schließungen und veränderte Einkaufsgewohnheiten und gesunkene Konsumlust schränkten Betriebe mal mehr, mal weniger stark ein. Zur Liquiditätssicherung stellte die Politik Hilfen in Aussicht. Bei Solo-Selbstständigen und Kleinunternehmen kam von den Geldern leider kaum etwas an. Auch die im vergangenen Jahr in Aussicht gestellten Novemberhilfen verzögerten sich, bis sie Liquiditätsprobleme kaum noch lösten. Ökonomen erwarten ab Mitte des Jahres eine so nie dagewesene Insolvenz-Welle. Vor diesen Hintergründen wird in den kommenden Jahren voraussichtlich.

die Arbeitslosigkeit wachsen. eine Umstrukturierung der Unternehmenslandschaft stattfinden. die Anzahl an Klein- und Kleinstbetriebe abnehmen. eine Deglobalisierung einsetzen. die freie Marktwirtschaft anhaltend eingeschränkt werden. erfolgreiche Kundenbindung überlebenswichtig werden. die Digitalisierung voranschreiten. das Marktangebot schrumpfen.



Die ökonomischen Veränderungen betreffen vor allem drei Bereiche: Den größeren Rahmen der Unternehmenslandschaft und Weltwirtschaft, die Verbrauchergewohnheiten und die betriebsinternen Strukturen. Nur die Stärksten und Anpassungsfähigsten werden überleben.



Veränderte Verbrauchergewohnheiten in der Krise

Mit Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren hat die Pandemie hat das Leben verändert. Gewohnheiten wurden durch neue Routinen ersetzt. Ungewohnte Aufgaben mussten erledigt werden, der neue Alltag wurde unter Berücksichtigung von Gesundheitsfragen geplant. Unsicherheiten bezüglich der Zukunft waren ständige Begleiter. Vor Hintergründen wie diesen haben sich die Verbrauchergewohnheiten während der Krise gewandelt. Es kam zu einer Wertverschiebung, die auch in den kommenden Jahren Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft haben wird.

Von Zuhause aus: In Zeiten von Ausgangsbeschränkungen haben sich Verbraucher daran gewöhnt, von Zuhause aus einzukaufen. Keine fertigen Lösungen: Konsumenten sind seit Corona selbst kreativ und wollen vor allem Angebote, die zur Problemlösung befähigen. Qualität vor Quantität: Zügelloser Konsum wurde in der Krise durch wenige, aber sinnvolle Qualitätsanschaffungen verdrängt. Für daheim: Durch die Verschiebung des Lebensmittelpunkts ist das Interesse an Anschaffungen für einen möglichst angenehmen Alltag zu Hause gewachsen. Sicherheit durch Service: Ein verlässliches Service-Angebot ist in einer unsicheren Zeit der Anker für Kaufentscheidungen.



Unternehmensinterne Veränderungen

Um den neuen Bedingungen gerecht zu werden, haben Unternehmen ihre internen Strukturen in der Krise durchdacht. Nicht nur an die Verbrauchergewohnheiten mussten sie sich anpassen. Auch den Bereich der Mitarbeiterführung hat die Pandemie verändert.

Für die Zielgruppe: Wo Kunden nicht mehr zügellos konsumieren, müssen Angebote bestens auf sie zugeschnitten sein. Kreative Online-Präsenz: Wenn bevorzugt online eingekauft wird, brauchen Betriebe ein möglichst interessantes Digitalangebot. Gut vernetzt: In Zeiten der Homeoffice-Pflicht steigt die Bedeutung digitaler Vernetzung und Kommunikation. Gemeinsame Problemlösung: In der Isolation möchten Kunden mit ihren Problemen nicht alleine gelassen werden. Reduziertes Angebot: Bei quantitativer Reduzierung bleibt mehr Geld und Zeit zur qualitativen Optimierung.

Folgen hinsichtlich der Unternehmenslandschaft und Weltwirtschaft
Die Unternehmenslandschaft wird nach Corona nicht mehr dieselbe sein. Insgesamt wird es voraussichtlich weniger Betriebe geben. Größere Unternehmen werden ihren Anteil an der Gesamtwirtschaft ausbauen, kleinere nur schwer erhalten bleiben. Davon abgesehen wirkt sich Corona schon jetzt auf die Globalisierung der Weltwirtschaft aus.

Hintergrund: Seit den 1950er Jahren wuchs der internationale Handel. Kurz vor der Jahrtausendwende entwickelte die Verflechtung der Weltwirtschaft nie dagewesene Dimensionen. Gefolgt von der Weltfinanzkrise, die das Handelsvolumen reduzierte. Die wichtigsten Volkswirtschaften erholten sich schnell. Trotzdem wurde die Globalisierung abgebremst. Die internationale Streuung von Produktionsschritten war vorerst gesättigt. Konsumenten entwickelten ein Bewusstsein, was Herstellungsbedingungen betraf. Produktionsketten verlegte man zur Kontrollierbarkeit wieder vor die eigene Tür. In der Gesellschaft verbreitete sich zeitgleich die Meinung, dass wegen der wachsenden Weltmarktkonkurrenz eigene Einkommensnachteile drohen. Verhandlungen der Welthandelsorganisation stagnierten.

Den Gedanke an eine Deglobalisierung gab es schon vor Corona. Mit der Krise hat er sich intensiviert, beispielsweise infolge neuer Einkaufsgewohnheiten hin zum Versandhandel. Trotzdem wird Corona zumindest gesundheitspolitisch die internationale Zusammenarbeit intensivieren. Der globalisierten Arbeitswelt wird man im Zuge dessen neue Vorschriften auferlegen. Zum Beispiel die Einschränkung dienstlicher Reisen mithilfe digitaler Technik.