Schwarzach/Regensburg

Prozessauftakt: Vater gesteht Tötung seiner beiden Kinder

08.04.2021 | Stand 08.04.2021, 16:56 Uhr

Der Angeklagte sitzt im Verhandlungssaal im Landgericht. Der 37-Jährige soll im Mai 2020 im niederbayerischen Schwarzach seine sechsjährige Tochter und seinen achtjährigen Sohn getötet haben. −Foto: Armin Weigel/dpa

Zu Prozessbeginn vor dem Landgericht Regensburg hat der Angeklagte gestanden, seine Tochter und seinen Sohn mit einer Plastiktüte erstickt und mit den Händen erwürgt zu haben.



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Für die Kinder sah es wie ein Spiel aus: Ihr Vater gab sich als Polizist aus, der sie mit Kabelbindern fesseln müsse. Seinen achtjährigen Sohn soll er an den Händen festgebunden haben, seine sechsjährige Tochter auch noch an den Füßen. „Im Zeitpunkt der Fesselung ahnten die Kinder nicht, dass der Angeschuldigte sie töten würde“, schilderte der Oberstaatsanwalt zum Prozessauftakt am Donnerstag vor dem Landgericht Regensburg.







So soll der Angeklagte leichtes Spiel gehabt haben - laut Anklage zog er seinen Kindern eine Plastiktüte über den Kopf und klebte sie so fest, dass die Kleinen nicht mehr genug Sauerstoff bekamen. Dann soll er mit den Händen gegen ihren Hals gedrückt haben. Beide erstickten. „Nachdem ich meinen Kindern das Leben genommen hatte, verabschiedete ich mich von ihnen, küsste sie und sagte, ich komme gleich nach“, berichtete der 37-Jährige in einer schriftlichen Erklärung, die sein Anwalt am Donnerstag vorlas. Doch nach einem Sprung von einer Brücke in die Donau sei er ans Ufer gespült worden. Nur wenige Stunden später stellte er sich der Polizei.



„Es tut mir leid, das war Kurzschluss“



Der Oberstaatsanwalt wirft dem Deutsch-Serben zweifachen Mord vor. Er soll seine Tochter und seinen Sohn im Mai 2020 „aus egoistischem Macht- und Besitzwillen heraus“ getötet haben - nur damit die Kinder nicht bei seiner Ex-Freundin und dessen neuen Partner aufwachsen. „Es tut mir leid, das war Kurzschluss. Ich konnte meine Engel nicht zu ihr lassen“, schrieb der Angeklagte noch in einem Abschiedsbrief, den er nach der Tat in seiner Ein-Zimmer-Wohnung in Schwarzach zurückließ.



„Ich wusste weder ein noch aus und befand mich in Trance“, sagte der Angeklagte über seinen Anwalt. Sein Leben lang habe er sich nur von Job zu Job gehangelt, schon früh Cannabis, Heroin und Kokain genommen. Er habe einige Zeit hinter Gittern verbracht - wegen Drogen, Diebstahls und Körperverletzung. Bei dieser persönlichen Vergangenheit habe er nach der Trennung von seiner Freundin keine Chance gesehen, die Kinder bei sich behalten zu können - und brachte sie lieber um. Kein Einzelfall nach einer Trennung: Aus Rache an den Frauen bringen immer wieder Männer die gemeinsamen Kinder um. Zum Prozessauftakt in Regensburg beteuerte der 37-Jährige immer wieder die Liebe zu seiner Tochter und seinem Sohn. „Meine Kinder waren das Wichtigste in meinem Leben.“ Er könne sich selbst niemals verzeihen. „Ich weiß, dass ich eine lange Freiheitsstrafe verdient habe.“ Die Mutter soll wegen psychischer Probleme per Video vernommen werden. Das Urteil soll Mitte Mai fallen.

− dpa